Bild: Weltklasse zu Gast:
v.l.n.r. Keter Betts (b), Tommy Flanagan (p), Roy Eldridge (tp) und Eddie <<Lockshaw>> Davis (ts). Rechts neben dem Scheizer Musiker Bruno Spoerri ist Camillo zu erkennen.

Jazz im Nova-Park –
oder ein Basler in Zürich

Dass die Bar im Hotel Nova-Park zu einem ganz wichtigen Treffpunkt für Jazzer wurde, verdankt Zürich dem Basler Jürg <<Camillo>> Musfeld.

René Hatt, der Besitzer des Hotels Nova-Park an der Badenerstrasse, hatte im Vorfeld der Eröffnung 1972 den Basler Camillo Musfeld als Entertainment Manager direkt aus dem Kulm Hotel Arosa engagiert. Die Handschrift von Camillo , mit 20 Jahren ein begeisterter Amateurjazzer (Klarinette, Alto-, Sopransaxofon) im Basler Atlantis und im Londoner 100 Club, spürte man bereits bei der Hoteleröffnung am 14. Juli 1972. An der Riesenparty sorgten neben anderen Orchestern auch Joe Turner (aus der Calavados-Bar in Paris kommend), die Piccadilly Six, Pierre Cavalli, Fritz Trippel und das Robi Weber Quartet für Stimmung.Ursprünglich wollte Hatt eine Hotelbar mit Tanzfläche, aber Camillo konnte ihn vom Jazz-Live-Entertainment überzeugen. Dank der Beziehungen zu Joe Turner in Paris und hilfreichen Agenturen gelang es ihm, andere Spitzenleute aus Frankreich, England und Skandinavien aufzustöbern.Jazz gab es vor allem dank Pianisten wie Dennis Armitage, Fritz Trippel, Alice Darr, Pierre Martin und Tete Montoliu.

Im Herbst 1972 wurde der Jazz-Montag mit vielen bekannten Schweizer Bands eingeführt, die – damals in Zürich unüblich – von 22 bis 2 Uhr früh spielen mussten. Camillo erinnert sich an Namen wie Piccadilly Six, Metronome Quintett, Robi Weber Quartett, P.S. Corporation, Henri Chaix, Buddha Scheidegger, aber auch ausserordentliche Auftritte mit ausländischen Formationen wie die Eddie <<Lockjaw>> Davis Group (mit Tommy Flanagan und Roy Eldridge), Klaus Doldingers Passport, Acker Bilk, Dutch Swing College und Monty Sunshine. Man wurde bekannt. Dabei halfen die Goodnews und Plattenlabels wie CBS und Metronome. In Musikerkreisen hiess es einfach <<Ab ins Nova-Park>>. Dank der Pianisten beziehungsweise Trios von Dienstag bis Sonntag in der Bar war der Grundstock für überraschungen gelegt. So habe, erzählt Camillo, auch einmal Oscar Peterson ums Mitspielen gebeten, so ergriff einst Ella Fitzgerald das Mikrophon, so waren George Gruntz, Earl Hines, Jimmy Woode (mit dem in der Bar Trios besetzt wurden), John Ward, Vali und Jojo Mayer, Peter Schmidlin und viele andere gern gesehene und gehörte Bargäste. Man erlebte ganz erstaunliche Sessions – etwa Armitage mit <<Lockshaw>> Davis, Dave Brubeck mit Pierre Cavalli oder Beryl Bryden mit einer polnischen Band. Das alles inspirierte Camillo. In seinem Club of Clubs – ab1974 wurde dieser als Single Club im ehemaligen Audiovisionszentrum eingerichtet – und an Sonntagsmatineen machte er sich auch ausserhalb der Bar als Jazzveranstalter einen Namen, konnte er doch Dollar Brand, Humphrey Lyttelton, Dexter Gordon mit Niels-Henning Orsted-Pedersen oder Monty Alexander engagieren. Und schliesslich war einer der Austragungsorte des <<Internationalen Jazz Festival Zürich>> 1975 und 1976 das Hotel Nova-Park.

1976 verliess Jürg <<Camillo>> Musfeld das Nova-Park und wurde Hotelier in Meiringen. Eine gewisse Zeit besorgten der Gitarrist Pierre Cavalli und seine Frau Nanda (die er im Nova kennen gelernt hat) Camillos Nachfolge, aber schon bevor aus dem Nova-Park das Inter-Continental wurde, waren die Jazznächte im Hotel nur noch eine gute Erinnerung!